So begann meine Lehre als Fachfrau Gesundheit

März 2019, Vanessa Natalia Kosiewicz

Bereits seit sechs Monaten arbeite ich nun mit und fürs Pflegzentrum Gehrenholz. Ich weiss noch genau, wie ich kaum schlafen konnte als mir der erste Arbeitstag bevorstand. Ich wusste, was auf mich zukommt und gleichzeitig war mir bewusst, dass ab morgen ein neuer Lebensabschnitt für mich beginnt. 

Morgens um fünf aufzustehen, um einem anderen Menschen aus dem Bett zu helfen, daran musste ich mich erst einmal gewöhnen. Aber ich habe schnell gemerkt, dass dieser Beruf zu mir passt und ich gerne zur Arbeit gehe. Natürlich ist es nicht immer einfach, Freunden abends absagen zu müssen, weil man früher aufstehen muss. Dafür geniesse ich dann das Wochenende umso mehr. Vor allem versuche ich, meine Wochenenden möglichst vielseitig zu gestalten, um die Freizeit nachzuholen und abschalten zu können. Oft ist es aber auch so, dass die Familie oder alte Freunde zu kurz kommen. Aber so ist es nun mal und man muss die Dinge so nehmen, wie sie sind, finde ich. Besonders schwer gefallen ist es mir aber, in die Berufsschule zu wechseln.

Plötzlich spricht man dich mit Nachnamen an und sieht dich nicht mehr als Kind. Auf der einen Seite ist es eine Herausforderung, da alle Menschen um dich herum Erwartungen an dich haben. Auf der anderen Seite finde ich es gut, wie es jetzt ist, da ich das Gefühl habe, ernster genommen zu werden. Auch die Klasse an sich war gewöhnungsbedürftig. Denn auf einmal sitzt zum Beispiel eine Klassenkameradin neben dir, die bereits zwei Kinder hat. All diese Dinge waren neu für mich.

Bevor ich mit der Lehre begann, besuchte ich das zehnten Schuljahr, was mich nun zu den älteren in der Klasse macht. Über diese Erfahrung bin ich froh, denn dieses letzte Jahr gab mir eine Vorbereitung auf das «echte Leben», wie man so oft sagt. Letztes Jahr habe ich ein Praktikum in der Psychiatrie absolviert. Ich fand es schwierig, als 15-Jährige entscheiden zu müssen, in welche Richtung ich mich ausbilden möchte. Vor allem, dass mein erster Arbeitsplatz ein Einsatz in der Psychiatrie werden würde, war mir damals noch gar nicht so richtig bewusst.  Ich bin aber im Nachhinein stolz auf mich, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Ich arbeitete auf einer Abteilung für an Demenz erkrankte Menschen und bemerkte dort, wie gerne ich mit älteren Menschen arbeite. Die Psychiatrie war damals auch ausschlaggebend, weshalb ich jetzt im Pflegezentrum arbeite. Ich finde auch, dass mich diese Arbeit dort reifer und eigenständiger gemacht hat. Es war auch neu für mich, eine Karte zu besitzen, auf der Geld war, das ich selbst verdient habe. Daran musste ich mich auch gewöhnen.

Das Gewöhnen an neue Sachen ist etwas, woran man oft scheitert. Nicht nur, weil die Motivation fehlt, sondern auch der Wille und die Reife. Besonders wichtig ist es, eine gewisse Reife zu haben, weil man grosse Verantwortung in diesem Beruf trägt und viele Dinge verstehen, aber auch tun muss, die nicht alle Jugendliche in diesem Alter können.  

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Vanessa Natalia Kosiewicz

Vanessa Natalia Kosiewicz startete letzten Sommer ihre dreijährige Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit Im Pflegezentrum Gehrenholz. Warum sie sich für eine Ausbildung im Gesundheitswesen entschieden hat und wie sie die Arbeit in der Langzeitpflege erlebt, erzählt sie im PulsBlog.