Mein erster Abenddienst

Mai 2019, Parisa Abdulghani

Nun bin ich bereits im dritten Lehrjahr und hatte bisher nur einen Abenddienst bei der Spitex. Die meisten würden sagen ich sei völlig verwöhnt diesbezüglich und das kann ich nicht mal bestreiten. Es wurde immer stark Rücksicht auf mich genommen und darüber bin ich sehr froh.

Klar in meinen externen Praktiken im Universitätsspital Balgrist und im Spital Zollikerberg hatte ich schon einige Spätdienste und diese waren auch ziemlich anstrengend. Denn, wenn man plötzlich von 14 bis 23 Uhr arbeitet anstelle von 7 bis 16 Uhr, bringt das nicht nur den Schlafrhythmus, sondern den gesamten Tagesrhythmus komplett durcheinander. Natürlich weiss man, wenn man sich für einen Pflegeberuf entscheidet, dass man auch mal einen Spät- oder Nachtdienste übernehmen muss. Jedoch war es ziemlich hilfreich, dass ich neben der Berufsschule und BMS mich nicht auch noch mit einem gestörten Schlafrhythmus herumschlagen musste.

Zu meinem ersten Spätdienst bei der Spitex kann ich aber nur sagen, dass es mir enorm gefallen hat. Ich fand das Arbeiten am Abend viel angenehmer als Tagsüber. Um 16 Uhr hat mein Dienst begonnen und um 21 Uhr war die Schicht bereits wieder zu Ende. Die Strassen waren nicht so überfüllt wie es jeweils am Morgen der Fall ist und die Arbeit war körperlich auch nicht so anstrengend wie sonst. Körperpflegen sind komplett weggefallen, denn alle Klienten hatten ja bereits am Morgen geduscht und waren am Abend ziemlich entspannt, haben zu Abend gegessen und wollten bettfertig gemacht werden. Alles ganz unkompliziert.

An diesem Abend war ich bei einer Klientin, welche an einigen psychischen Erkrankung leidet. Ich war lediglich für die Medikamentenabgabe bei ihr, sie hat sich aber so herzlich bedankt und liess mich wissen, wie sehr sie die Hilfe der Spitex schätzt. Zudem war sie ziemlich besorgt um mich und meinte ein so junges Mädchen sollte doch nicht am Abend arbeiten. Es sei gefährlich an einem Samstagabend in der Stadt mit dem Fahrrad unterwegs zu sein und dann auch noch zu «fremden Menschen» nach Hause zu gehen. Ich war überrascht, dass sie sich ernsthafte Sorgen machte und fand es gleichzeitig auch ziemlich süss von ihr. Ein bisschen hat sie wie meine Grossmutter geklungen in dem Moment. Aber nicht nur sie, sondern alle Klienten waren in diesem Abenddienst enorm herzlich und dankbar.

In solchen Momenten kriege ich wieder die Bestätigung, dass meine Berufsauswahl die Richtige war. Natürlich stosse ich an manchen Tagen an meine Grenzen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es trotzdem die passende Ausbildung war. Jeder Beruf hat seine Sonnen- und Schattenseiten aber diese Dankbarkeit oder das Lächeln, welche mir einige Klienten schenken, lässt mich alle negativen Aspekte dieses Berufes vergessen.

Comments

Parisa Abdulghani

Parisa Abdulghani schloss diesen Sommer ihre Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit EFZ ab. Was sie bei ihrer spannenden Arbeit bei Spitex Zürich Sihl alles erlebt, welche persönlichen Erfahrungen sie macht und was sie beschäftigt, erzählt sie im PulsBlog.