Kommunikation in der Pflege will gelernt sein

Januar 2017, R. Hitz

Zwischenmenschliche Beziehungen und somit die Kommunikation spielen im Pflegebereich eine entscheidende Rolle. Sprache ist Pflege und Pflege ist Sprache, denn über Gespräche werden Beziehungen zu Mitmenschen aufgebaut. Personen im Pflegeberuf benötigen daher eine besonders hohe Gesprächskompetenz, um den Kontakt mit Patienten bewusst zu gestalten.

Pflegefachleute kommunizieren in ihrem Alltag ständig – sei es mit Patientinnen und Patienten, Angehörigen oder innerhalb des Teams. Dabei können emotionale Situationen, das Erklären komplexer Probleme oder Stress die Kommunikation erschweren. Die Wahl der richtigen Kommunikationsweise bringt in solchen Situationen eine hohe Verantwortung mit sich. Denn sie wirkt sich auf das Wohlbefinden von Patienten aus und kann dadurch den Heilungsprozess sowohl fördern als auch verringern. Zudem hat die Kommunikation Einfluss darauf, wie effizient ein Pflegeteam arbeiten kann und wie gut man sich im Team versteht.

Mit einem sicheren Auftreten vermitteln Pflegefachleute Fachkompetenz und erhalten mehr Vertrauen. Dabei spielen auch nonverbale Kommunikationsformen wie Körpersprache, Mimik und Gestik eine wichtige Rolle. Durch bewusste Kommunikation können sich Pflegefachleute zudem selbst vor negativen Folgen schützen. So kommt es weniger zu Missverständnissen, Ohnmachtssituationen, Erschöpfung und Krankheitsfällen. 

6 Grundlagen guter Kommunikation in der Pflege
Doch was genau macht gute Kommunikation im Pflegeberuf überhaupt aus? Folgende sechs Punkte können als Leitfaden für die praktische Anwendung bewusster Gesprächsführung dienen:

1. Positive Stimmung: Obwohl eine positive Stimmung nicht erzwungen werden kann, sollte eine konfrontative negative Stimmung in jedem Fall vermieden werden. Natürlich kann man negative Gefühle nicht vermeiden – aber es ist wichtig, in solchen Situationen professionell zu bleiben und sich möglichst nichts anmerken zu lassen.

2. Einfache, klare Sprache: Mehrdeutige Begriffe, Abkürzungen sowie medizinischer Fachjargon sollten vermieden werden. Der Pfleger sollte die gleiche «Sprache» sprechen, wie der Patient oder die Angehörigen.

3. Ausgeglichenes Hören und Sprechen: Einander ins Wort fallen, nicht richtig zuhören oder sich auf sich selbst konzentrieren, vermindert die Gesprächsqualität erheblich. Für die Kommunikation und Beziehungsarbeit ist es förderlich, wenn ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Sprechen und Zuhören herrscht.

4. Verständniskontrolle: Die Aussagen von Patienten repetieren, um zu prüfen, ob sie richtig verstanden wurden, ist in der Pflege eine der wichtigsten Kommunikationstechniken. So können Missverständnisse vermieden werden. Gleichzeitig spürt das Gegenüber, dass man ihm aufmerksam zuhört.

5. Hineindenken: Seine eigene Meinung zu verteidigen, anstatt die Meinung des Gegenübers nachzuvollziehen, bringt meist nichts. Die Akzeptanz anderer Positionen ist auch für eine erfolgreiche Arbeit innerhalb des Pflegeteams wichtig. Bevor man dem Gegenüber also einfach widerspricht, ist es ratsam, sich in die Person hineinzudenken und zu überlegen, warum sie so denkt.

6. Gegenseitige Wertschätzung: Positive Rückmeldungen helfen jeder Beziehung. Ob im Team, oder zu Patienten – gegenseitige Wertschätzung fördert das Wohlbefinden im Pflegeberuf und hebt die Stimmung zwischen zwei Personen.

Kritische Situationen meistern
Im Gesundheitswesen treffen viele unterschiedliche Charaktere aufeinander. Um bewusst und richtig mit einem Gegenüber zu kommunizieren, muss man dessen Eigenschaften kennen. Zum Beispiel nehmen manche Patienten Schweigsamkeit als Wertschätzung wahr, andere dagegen haben es gerne, wenn man lebhaft mit ihnen diskutiert. Kommunikation ist also von Situation zu Situation unterschiedlich. Schwierig wird sie vor allem dann, wenn Patienten ausfällig werden oder über ein bestimmtes Krankheitsbild wie beispielsweise Alzheimer verfügen. In solchen Situationen gilt es zu wissen, wie man reagieren muss und welche Spielregeln zu befolgen sind. Die richtige Kommunikation im Gesundheitsbereich will deshalb von Grund auf gelernt sein, benötigt aber auch eine gewisse Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

Puls-Tipp: So zeigst Du mit Deinem Auftreten fachliche Kompetenz

  • Lass Dir im Arbeitsalltag allfällige negative Stimmungen nicht anmerken
  • Sag lieber zu wenig, als zu viel und reagiere ruhig auf überraschende Situationen
  • Höre Deinem Patienten aufmerksam zu und wiederhole gelegentlich eine seiner Aussagen

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