Interview mit Markus Wittwer, Direktor HRM/Pflege/Hotellerie KSW

November 2016, J. Leonhard

Karriere in einem Gesundheitsberuf machen? Geht das überhaupt? Und ob! 
In unserer Interview-Reihe «Karriere im Gesundheitswesen» stellen wir Menschen vor, die ausgehend von einer Grundausbildung in einem Gesundheitsberuf ganz unterschiedliche Karriere-Wege eingeschlagen haben.

Markus Wittwer ist heute Direktor HRM/Pflege/Hotellerie und stellvertretender Spitaldirektor des Kantonsspitals Winterthur. Gestartet hat er seine Laufbahn im Gesundheitswesen mit einer Ausbildung zum Pflegefachmann. Wie sich seine Karriere entwickelt hat und was seine Motivation war, den praktischen Pflegeberuf gegen eine strategische Position zu tauschen, erzählt er im Interview.

 

Herr Wittwer, wie kam es zu Ihrer Entscheidung für einen Pflegeberuf?

Markus Wittwer: Da meine Eltern wie auch einer meiner Brüder in Pflegeberufen tätig waren, setzte ich mich bereits früh damit auseinander. Tatsächlich in der Gesundheitsbranche Fuss gefasst habe ich selbst jedoch über einen kleinen Umweg. Zuerst absolvierte ich nämlich mit 15 Jahren eine Ausbildung zum Maschinenzeichner. Das war aber eigentlich eine Verlegenheitslösung, weshalb der Berufswunsch Pflegefachmann dann recht schnell feststand.

 

Welche Berufsstationen haben Sie seit der Ausbildung bis zu Ihrer heutigen Führungsposition durchlaufen?

Markus Wittwer: Nach meiner Ausbildung zum Pflegefachmann habe ich zunächst auf unterschiedlichen Stationen am Spital Limmattal und schliesslich als Stationsleiter am Bezirksspital Affoltern gearbeitet. Anschliessend wechselte ich an das Universitätsspitals Zürich, um dort sieben Jahre als Leiter Pflege an der Klinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie und weitere fünf Jahre als stellvertretender Pflegedirektor zu arbeiten. Letztlich wechselte ich an das Kantonsspital Winterthur, wo ich bis heute tätig bin. Zunächst als Direktor Pflegedienst, mittlerweile als Direktor HRM, Pflege, Hotellerie und stellvertretender Spitaldirektor.

 

In Ihrer Laufbahn haben Sie sich auf der Karriereleiter immer weiter nach oben entwickelt. Warum haben Sie diesen Weg gewählt?

Markus Wittwer: Es war mir wichtig, mein Potential zu entdecken und in neue, herausfordernde Aufgaben einbringen zu können. So habe ich zum Beispiel eine Fortbildung für Intensivpflege und Reanimation sowie einen Stationsleiterkurs gemacht. Darauf folgten ein Lehrgang für Management im Gesundheitswesen am WEG Aarau sowie ein berufsbegleitendes Studium zum Dipl. Spitalmanager an der FH St. Gallen. Letztes Jahr habe ich meinen Master of Advanced Studies in Human Capital Management an der ZHW abgeschlossen. Für Menschen im Gesundheitsberuf gibt es so viele Möglichkeiten sich weiterzuentwickeln und zu bilden.  

 

Aber warum haben Sie sich entschieden, von einem praktischen Pflegeberuf in eine strategische Position überzugehen?

Markus Wittwer: Nach meiner Zusatzausbildung in Intensivpflege hatte ich zuerst das Ziel, im Ausbildungsbereich zu arbeiten. Ich erkannte aber bald, dass mich die Herausforderung einer Führungsposition mehr ansprach. Die Führungslaufbahn habe ich dann zielstrebig weiterverfolgt und mir durch meine Managementausbildungen das nötige Wissen angeeignet. Als junger Familienvater waren für mich darüber hinaus finanzielle Überlegungen ein Motivator, Kaderfunktionen zu übernehmen.

 

Was gab Ihnen diese Entwicklung beruflich wie auch persönlich?

Ich fand in meiner beruflichen Entwicklung Selbstbestätigung und auch viel Anerkennung sowie Wertschätzung von Aussen. Besonders schätze ich auch die vielfältigen und sehr bereichernden persönlichen Kontakte, die sich durch meine berufliche Tätigkeit sowie meine Mitwirkung in verschiedenen Gremien ergeben.

 

Um einen Karriereschritt machen zu können, braucht es meist auch Unterstützung von Aussen. Wer hat Sie bei Ihrer Weiterentwicklung unterstützt?

Markus Wittwer: Grundsätzlich habe ich meine berufliche Entwicklung sehr eigenständig vorangetrieben. Doch ich hatte das Glück, dass mich meine Vorgesetzten immer sehr unterstützt haben. Ich hatte zahlreiche Möglichkeiten, mich beruflich weiterzubilden. Wiederholt wurden mir Funktionen anvertraut, für die ich bei Stellenantritt weder das nötige Wissen noch die entsprechende Ausbildung bzw. Erfahrung mitbrachte. Ich habe mich aber jeweils mit viel Eigeninitiative darum bemüht, diese Lücken rasch zu schliessen.

 

Inwiefern profitieren Sie noch heute von Ihrer praktischen Pflegeerfahrung?

Markus Wittwer: Auch wenn ich heute nur noch einen relativ kleinen Teil meiner Arbeitszeit für Pflegethemen einsetze, könnte ich mir meine jetzige Funktion nicht ohne entsprechende klinische Erfahrung vorstellen. Ich habe dadurch ein gutes Verständnis für die fachlichen aber auch kulturellen Themen, die in einem Spital oft herausfordernd sind, und kann mit Ärzten oder Pflegefachpersonen auf Augenhöhe diskutieren. 

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