Erlernen von Kompetenzen im Zusammenhang mit meiner Ausbildung als FaGe?

März 2020, Vanessa Natalia Kosiewicz

Eine Kompetenz durchführen zu dürfen, heisst für mich als angehende Fachfrau Gesundheit, mich einer weiteren Verantwortung zu stellen. Dies bezieht sich sowohl auf die Bewohnerin oder den Bewohner, wie auch auf die FaGe selbst.

Eine der vielen Kompetenzen ist beispielsweise die Körperpflege. Eine meiner Meinung nach relativ einfache Kompetenz. Während diesen drei Jahren werden die Kompetenzen immer anspruchsvoller, sei es, eine Blutentnahme durchzuführen oder den Umgang mit Betäubungsmitteln zu lernen.

Diese Kompetenzen erlernen wir in den überbetrieblichen Kursen (ÜK), parallel dazu bekommen wir die Theorie in der Schule. In der Praxis setzen wir dann unser Wissen mit Begleitung unserer Berufsbildnerinnen und Berufsbildnern um. Nach langem Üben und strikter Kontrolle erhalten wir dann das langersehnte «O.K.», sodass wir die Kompetenz selbstständig ausführen dürfen.

Ein gutes Gefühl
Im ersten Lehrjahr fühlte ich mich oft unsicher, da ich meistens nur daneben stehen und zuschauen konnte. Mittlerweile merke ich gar nicht mehr, wie viele Kompetenzen ich schon beherrsche. Mitwirken sowie mitsprechen zu können und den Inhalt auch zu verstehen, ist meiner Meinung nach eins der besten Gefühle im Pflegeberuf. Auch kann man schon zur Entlastung des Teams beitragen, was auch eine Rolle spielt. Ich bin froh, in Notlagen helfen zu können, sei dies bei der Mobilität eines Bewohners oder bei der Unterstützung der jüngeren Lernenden.

Ich musste ein Jahr lang warten, bis ich die Fähigkeit "Blutdruck messen" lernen durfte. Vorgängig dachte ich mir: «Es kann ja nicht schwierig sein, einen Knopf zu drücken und die Zahlen, die dann auf dem Monitor angezeigt werden, im Computer einzutragen?!» Bis ich verstand, dass es nicht um die Zahlen an sich geht, sondern darum, was diese Werte eigentlich bedeuten, wie sie entstehen und welche Konsequenzen sie haben. Was muss ich anhand eines Wertes machen? Was ist ein Normwert? Wieso ist dieser Wert in diesem Alter normal? Was heisst dieser Wert jetzt für mich und wie muss ich reagieren? Heute verstehe ich, warum ich so lange warten musste.

Jetzt im zweiten Ausbildungsjahr bekomme ich umso mehr Kompetenzen erlaubt, die mich ins dritte Lehrjahr und schliesslich auch an die Abschlussprüfung bringen. Ich war vor kurzem im ÜK und konnte meine erste Blutentnahme an meiner Kollegin durchführen. Ich war etwas nervös und hatte Angst, einen Fehler zu machen. Bis dann das Blut geflossen ist und ich tatsächlich eine erfolgreiche Blutentnahme geschafft habe. Ich war sehr stolz darauf und hatte ein sehr schönes Erfolgserlebnis.

In meiner Ausbildung hatte ich viele solche Erlebnisse, beispielsweise auch bei meiner ersten korrekten Körperpflege. Ich bekam von Kompetenz zu Kompetenz eine gewisse Sicherheit in der Praxis, dass ich es gut mache, so wie ich es mache. Ich stellte auch fest, dass ich nie alleine bin, wenn ich etwas falsch machen würde. Denn ich weiss, ich bin Lernende und bekomme in jeder Hinsicht Unterstützung.

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Vanessa Natalia Kosiewicz

Vanessa Natalia Kosiewicz startete letzten Sommer ihre dreijährige Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit Im Pflegezentrum Gehrenholz. Warum sie sich für eine Ausbildung im Gesundheitswesen entschieden hat und wie sie die Arbeit in der Langzeitpflege erlebt, erzählt sie im PulsBlog.