Ein lehrreiches erstes Ausbildungsjahr ist geschafft

August 2019, Vanessa Natalia Kosiewicz

Mein Beruf erfordert Nerven und Kraft und kann mich psychisch belasten. In solchen Momenten ist Geduld am wichtigsten, das musste ich von Anfang an lernen. Ohne Geduld und Verständnis wäre ich nicht dahingekommen, wo ich jetzt stehe. Auch wenn ich manchmal an meine Grenzen stosse, bleibt der Fokus bei den Bewohnerinnen und Bewohnern und sie danken es mir jeden Tag.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich zum ersten Mal in einem Bewohnerzimmer stand und zusah wie eine Pflegefachfrau einen Bewohner pflegte. Mein erster Gedanke damals war: « Bin ich hier am richtigen Ort, kann ich das auch? » Mittlerweile begleite ich Schnupperlehrlinge und sehe dieselben Zweifel in ihren Gesichtern.

Ich war 15 Jahren alt, als ich die Entscheidung traf, dass ich die Ausbildung als Fachfrau Gesundheit absolvieren möchte. Obwohl ich überzeugt war, mich richtig entschieden zu haben, hatte ich gleichzeitig Angst, was die Ausbildung in mir auslösen würde. Anfangs fiel es mir schwer, die Anforderungen, die an mich gestellt wurden, zu erfüllen. Aber zum Glück waren immer Menschen um mich, die mir geholfen haben. Meine Berufsbildungs-verantwortliche hatte immer ein offenes Ohr für mich und auch die Berufsbildnerinnen unterstützten mich bei der Lernbegleitung, sodass ich jeden Tag selbstsicherer wurde. Auch bei den Kolleginnen und Kollegen im Team konnte ich mir immer Hilfe, Ratschläge und Unterstützung holen.

Natürlich kommen immer noch zwischendurch Zweifel auf und es gibt auch Momente, in denen ich traurig bin. Zum Beispiel in ein Zimmer zu treten, in dem eine Bewohnerin oder ein Bewohner gelebt hat, die/der einem ans Herz gewachsen ist, ist immer noch schwer für mich. Da macht es keinen Unterschied, ob die Bewohnerin oder der Bewohner nach Hause gegangen oder verstorben ist. Zum Glück gibt es aber auch viele schöne Momente und Erlebnisse, die mich dann wieder darin bestätigen, dass ich am richtigen Ort bin.

Auch mit meiner Mutter kann ich gut über meine Zweifel reden. Immer wenn ich ihr von der Arbeit erzähle, erwähnt sie, dass sie diesen Beruf niemals ausführen könnte. Ich weiss, dass sie genauso stolz ist wie ich, dass ich die Ausbildung bis jetzt so gut meistere.

Eine Schattenseite hat meine Ausbildung aber. Vor der Ausbildung machte ich zehn Jahre lang Eiskunstlauf, was mir Abwechslung zum Alltag bot. Diesen Sport musste ich jedoch vor kurzem aufgeben, da ich mit der Lehre viel zu sehr beschäftigt bin und durch die unregelmässigen Arbeitszeiten kaum noch Zeit für Trainings fand. Jetzt gehe ich dafür ins Fitnessstudio, um dort abzuschalten. Denn es ist sehr wichtig für mich, dass ich mich erholen und neue Kräfte schöpfen kann. 

In diesem Jahr bin ich reifer geworden und habe gelernt Verantwortung zu übernehmen. Zudem weiss ich jetzt, was es heisst, in einem Team zu arbeiten und wie wichtig es ist, sich aufeinander verlassen zu können. Ich habe meinen Platz im Pflegezentrum und im Team gefunden.

In Kürze beginnt ein neuer Abschnitt. Ich wechsle auf eine andere Abteilung und damit in ein neues Umfeld. Dadurch werde ich wieder vor neuen Herausforderungen stehen. Mit neuen Teammitgliedern und neuen Bewohnerinnen und Bewohnern werde ich neue Erfahrungen sammeln können und bin jetzt schon sehr gespannt, was ich im zweiten Lehrjahr alles lernen und erleben werde.

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Vanessa Natalia Kosiewicz

Vanessa Natalia Kosiewicz startete letzten Sommer ihre dreijährige Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit Im Pflegezentrum Gehrenholz. Warum sie sich für eine Ausbildung im Gesundheitswesen entschieden hat und wie sie die Arbeit in der Langzeitpflege erlebt, erzählt sie im PulsBlog.