Die Isolation und mein ethischer Konflikt

Mai 2020, Masha Strupler

Vor einigen Tagen habe ich die erste Isolation auf meiner Station miterlebt. Aufgrund von Selbst- und Fremdgefährdung wurde einer Patientin die Möglichkeit gegeben ein Time-Out im Isolationszimmer zu nehmen. Auf dieses Angebot konnte die Patientin nicht eingehen und somit wurde sie medizinisch isoliert.

Das Isolationszimmer hilft Patientinnen und Patienten, da sie hier von externen Reizen abgeschirmt werden. An diesem Tag wurde die Patientin in Begleitung von zwei Pflegefachpersonen ins Isolationszimmer gebracht. Ich hatte die Möglichkeit, das ganze Geschehen über den Bildschirm im Stationszimmer mitzuverfolgen. Die Patientin erlebte ich zum ersten Mal so aggressiv. Deshalb wurden ihr einige verordnete Reservemedikamente ausgehändigt. Im Isolationszimmer musste sie einen Trainingsanzug anziehen. Ihre persönlichen Kleider warf die Patientin im Zimmer herum und ich konnte beobachten, wie die Pflegenden zurückwichen, um ihre persönliche Sicherheit zu gewährleisten. Erst verhielt sich die Patientin sitzend auf dem Bett sehr ruhig, doch als die Pflegenden das Zimmer verlassen hatten, begann sie mit den Füssen gegen die Türe zu treten. Dies hatte mich im ersten Moment sehr erschreckt obwohl ich ihr Verhalten auch nachvollziehen konnte.

Als die Patientin dann durch weitere Pflegefachleute, die zusätzlich in die Situation gerufen wurden, beruhigt werden konnte, beobachtete ich, wie die Medikamente anfingen ihre Wirkung zu zeigen. Die Patientin legte sich auf das Bett und man konnte ein ruhigeres Verhalten feststellen. Nach einiger Zeit schien sie sogar eingeschlafen zu sein.

Vor meinem Dienstende hatte ich die Möglichkeit, die ganze Situation mit meiner Tagesansprechsperson zu reflektieren. Sie erklärte mir die ganze Situation aus ihrer Sicht. Ich konnte zudem meine Beobachtungen und Fragen einbringen. Denn für mich war unverständlich, weshalb eine -aus meiner persönlichen Sicht - so drastische Massnahme notwendig gewesen war, um die Patientin wieder zu beruhigen. Dies konnte meine Kollegin mir aber anhand des vorhandenen Krankheitsbildes und der Diagnose auf verständliche Art erklären.

Rückblickend kann ich sagen, dass es für die Patientin sicherlich das Beste war, dass sie sich ein Time-Out im Isolationszimmer nehmen konnte. Ich persönlich finde auch, dass es schon eine extreme Massnahme ist, einem Patienten oder einer Patientin Medikamente zu verabreichen, obwohl sie/er diese nicht einnehmen möchte. Auch der Freiheitsentzug (geschlossenenes Isolationszimmer) finde ich nicht angenehm mitanzusehen. Für die Patientinnen und Patienten ist dies sicher keine angenehme Situation.

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Masha Strupler

Masha Strupler befindet sich im dritten Ausbildungsjahr zur Fachfrau Gesundheit in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, am Standort Rheinau. Für puls-berufe.ch erzählt sie aus ihrem Arbeitsalltag und berichtet von den Herausforderungen und den schönen Momenten, die dieser Beruf mit sich bringt.