Die Horrorvorstellung: Meine erste Blutentnahme

November 2019, Masha Strupler

Lange hatte ich mich vor diesem Tag gefürchtet, nun war er da – der Tag meiner ersten Blutentnahme!

Ich selber lasse mich ungern stechen, da ich seit meiner Kindheit Angst vor Nadeln habe. Deshalb bereitete mir die Vorstellung, diese medizinal-technische Verrichtungen bei anderen Menschen durchzuführen, sehr viel Mühe. Doch es gehört zu meinem Berufsalltag, denn in der Psychiatrie führen wir täglich Blutentnahmen durch. Die Patientinnen und Patienten bekommen an ihrem zweiten Tag immer eine Blutentnahme verordnet. Dies ist so, da die Ärzte ein Blutbild benötigen, um mögliche Krankheiten zu behandeln.

Meine Berufsbildnerin gab mir die Aufgaben, eine Blutentnahme an einer Arbeitskollegin durchzuführen. Im Vorfeld erhielt ich das theoretische Wissen in der Schule und lernte den praktischen Teil im Überbetrieblichen Kurs. Ich informierte meine Berufsbildnerin darüber, dass ich in einem ersten Schritt ein Lernjournal über die Vorbereitung, Durchführung und die Nachbereitung schreiben und dies dann mit ihr besprechen und Unklarheiten noch klären möchte. Ich habe auch aus Eigeninitiative bei einigen Blutentnahmen zugesehen, welche von diplomierten Pflegefachleuten durchgeführt wurden.

Nach der ausführlichen Besprechung mit meiner Berufsbildnerin über den ganzen Ablauf, informierte ich meine Kollegin und stellte das Material bereit. Ich war noch sehr unsicher und konnte meine Anspannung regelrecht fühlen. Doch meine Arbeitskollegin und meine Berufsbildnerin beruhigten mich und sprachen mir Mut zu. Beim Ablauf achtete ich sehr auf die Hygienerichtlinien. Zudem erklärte ich meiner Arbeitskollegin jeden Schritt und hielt bei Unsicherheit mit meiner Berufsbildnerin Rücksprache. Als es dann soweit war und ich die Kanüle in die Vene stechen musste, wusste ich, jetzt gibt es kein Zurück mehr. Doch ich schaffte es tatsächlich und traf die Vene auf Anhieb. Das Blut floss nur so in die Monovette hinein.

Was für ein Glückserlebnis - ich freute mich sehr über meinen Erfolg. Nachdem ich die Blutentnahme beendete hatte, merkte ich, wie die ganze Anspannung von mir abfiel. Von meiner Berufsbildnerin und meiner Arbeitskollegin erhielt ich ein grosses Lob, da meine Arbeitskollegin schlechte Venenverhältnisse hat und dies das Treffen der Venen zusätzlich erschwert.

Nach einigem Üben und selbstständigem wiederholen der Theorie war es dann soweit und ich führte meine erste Blutentnahme an einem Patienten durch. Ich informierte den Patienten über die bevorstehende Blutentnahme und teilte ihm meinen Ablauf mit. Dann bereitete ich alles fachgerecht vor und startete. Doch mein erster Versuch war erfolglos und meine Berufsbildnerin übernahm die Blutentnahme. Im Nachhinein hat sie mich ermutigt, nicht aufzugeben und es beim nächsten Patienten nochmals zu versuchen. Ich nahm mir ihren Rat zu Herzen und versuchte es noch einmal. Dieses Mal war ich erfolgreich und konnte die Blutentnahme ohne weitere Komplikationen zu Ende führen. Dies hat mir ein sehr gutes und auch sicheres Gefühl gegeben.

Mittlerweile ist einige Zeit vergangen und ich bin noch fleissig daran, Blutentnahmen zu übernehmen. Ich muss zugeben, ich habe gar kein Problem mehr damit und fühle mich auch sicher. Ganz nach dem Motto: "Solange das Blut fließt, lebt der Mensch!"

Comments

Masha Strupler

Masha Strupler befindet sich im dritten Ausbildungsjahr zur Fachfrau Gesundheit in der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, am Standort Rheinau. Für puls-berufe.ch erzählt sie aus ihrem Arbeitsalltag und berichtet von den Herausforderungen und den schönen Momenten, die dieser Beruf mit sich bringt.