Aus dem Detailhandel in die Pflege – eine Quereinsteigerin erzählt

Mai 2017, L. Zumsteg

Die 30-jährige Ramona Knecht befindet sich kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Pflegefachfrau HF. Warum sie sich für einen Gesundheitsberuf entschieden hat und was ihr an der Arbeit in der Langzeitpflege besonders gefällt erzählt sie uns. 

«Ich bereue es, dass ich nicht von Anfang an eine Ausbildung in der Pflege gemacht habe. Eigentlich lag dieser Beruf für mich auf der Hand, da mich die Arbeit mit Menschen schon immer interessierte. Trotzdem habe ich zuerst eine Lehre als Fotofachfrau gemacht und anschliessend im Aussendienst und Detailhandel gearbeitet. Das gefiel mir zu Beginn auch, aber als ich immer mehr auf Provision arbeiten musste, wusste ich, dass ich etwas ändern will. Nach einem Schnuppereinsatz in der Pflege habe ich mir sogar überlegt, nochmals eine Lehre zu machen. Glücklicherweise sah ich aber ein Inserat in der Zeitung: Die Pflegezentren der Stadt Zürich suchten Quereinsteiger. Ich bewarb mich sofort und sass etwa drei Monate später im Unterrichtssaal.

Ich mochte ältere Menschen schon immer. Dass man im Pflegeberuf in der Langzeitpflege mit den Bewohnerinnen und Bewohnern eine Beziehung aufbauen kann, schätze ich sehr. Man wird automatisch Teil ihres Alltags und umgekehrt. Und mit kleinen Dingen können wir hier für die Bewohnerinnen und Bewohner so viel bewirken. Natürlich gibt es auch in meinem neuen Beruf Schwierigkeiten und Aufgaben, die man weniger gerne macht als andere. Durch meinen beruflichen Seitenwechsel weiss ich aber, dass das auf jeden Job zutrifft. So akzeptiere ich Dinge, die nicht perfekt sind vielleicht eher als andere.

Meine Ausbildung zur Pflegefachfrau HF begann ich vor bald drei Jahren im Careum Bildungszentrum, wo man sehr viel im Selbststudium lernen muss. Für mich als Quereinsteigerin war diese Lernweise nicht optimal, da ich noch gar kein Fachwissen hatte. Deshalb habe ich ans ZAG, Zentrum für Ausbildung im Gesundheitswesen, gewechselt, wo mehr im Frontalunterricht vermittelt wird. Wir lernen viel über den ganzen Pflegeprozess, über Anatomie, aber auch über Krankheitsbilder und Nebendiagnosen wie Depressionen. Und das, was wir in der Theorie nicht lernen können, wird zum Praktikumsziel.

Quereinsteigende bei den Pflegezentren der Stadt Zürich erhalten auch spannende Einblicke in andere Bereiche: Ich durfte ein Akutpraktikum in einem Spital absolvieren und begleitete während einer Woche Schutz und Rettung der Stadt Zürich. Auch gibt es in den Praktikumssemestern jeden Monat ein Treffen der HF-Studierenden sämtlicher Pflegezentren. So können wir uns über den Pflegealltag austauschen und Erfahrungen teilen.

Im Sommer schliesse ich meine Ausbildung ab. Für mich war vor allem das erste Studienjahr taff, da ich zuerst sämtliche Basics lernen musste, die andere schon konnten. Trotzdem würde ich mich auch für den dreifachen Aufwand nochmals für den Quereinstieg in die Pflege entscheiden. »

Weitere Informationen:
Wissenswertes zur Ausbildung Pflegefachmann/-frau HF: 
https://www.puls-berufe.ch/Gesundheitsberufe/Hoehere-Fachschule/Pflegefachfrau-mann-HF 

Details zu den Ausbildungen der Pflegezentren der Stadt Zürich: 
https://www.stadt-zuerich.ch/traumjob-pflege

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