Emotionale Situationen gekonnt bewältigen

September 2016, J. Leonhard und A. Thoma

Pflegefachleute sind in ihrem Alltag sowohl mit Freude als auch mit Leid konfrontiert. Während die schönen Situationen diesen Beruf einzigartig machen, kann es manchmal schwer sein, mit dem Leid umzugehen. Personen im Pflegeberuf müssen lernen, emotionale Situationen gut zu bewältigen.

Anderen Personen zu helfen, ihre Schmerzen zu lindern und sie in schwierigen Situationen zu begleiten, motiviert Menschen immer wieder dazu, einen Pflegeberuf zu erlernen. Ein solcher hält jedoch nicht immer nur schöne und motivierende Erfahrungen bereit – die Auseinandersetzung mit Leid, Krankheit und Tod gehört oftmals genauso dazu. Für Pflegefachleute ist es an der Tagesordnung, mit Gefühlen wie Trauer oder Unbehagen umgehen zu müssen. Sie müssen sich immer wieder herausfordernden, manchmal sogar aggressiven Verhaltensweisen von Patienten stellen. Das erfordert eine hohe psychische Belastbarkeit. Charaktereigenschaften, die man in einem Pflegeberuf ebenfalls mitbringen sollte, sind Einfühlungsvermögen und Sensibilität. Denn wer Menschen einfühlsam und mit Respekt begegnen möchte, muss sich in sie hineinversetzen können.

Zu viel Mitgefühl als Gesundheitsrisiko?

So vorteilhaft ein hohes Einfühlungsvermögen auch sein kann, so negativ können die Auswirkungen auf die eigene Gesundheit sein. Kümmert sich eine Person im Pflegeberuf immer nur um andere Menschen und nicht um sich selbst, kann dies zu emotionaler Überforderung führen. Die eigenen Emotionen werden verdrängt. Entscheidend ist, wie mit dem Einfühlungsvermögen umgegangen wird. Trotz der hohen Anteilnahme am Schicksal der Patienten, ist das Einhalten einer gewissen Distanz sehr wichtig. So sollte man sich zwar in den Pflegebedürftigen hineinversetzen können, jedoch ohne selbst darunter zu leiden. Nicht selten ein Drahtseilakt, denn es besteht die Gefahr, dass aus Einfühlungsvermögen zu viel Mitgefühl und daraus eine persönliche emotionale Belastung entsteht. Im schlimmsten Fall kann dies bis zu einem Burnout führen.

Starkes Team gegen Burnout

Im Stress des Alltags merken Pflegefachkräfte oft erst, wenn es schon fast zu spät ist, dass eine bestimmte Grenze erreicht oder überschritten wurde. Wenn die Freude an der Arbeit plötzlich auf der Strecke bleibt, sich emotionale Erschöpfung oder gar eine Abneigung gegen die Patienten entwickelt, kann das auf ein Burnout hinweisen. Wie kann man einem solchen «Ausbrennen» entgegenwirken? Durch eine offene Gesprächskultur und einen starken Zusammenhalt im Team kann psychischer Stress vermindert werden. Das Erkennen von emotionaler Überforderung bei Teamkollegen und das bewusste Herausziehen aus einer schwierigen Situation können oft schon sehr hilfreich sein. In vielen Fällen reicht es bereits, während drei bis fünf Minuten tief durchzuatmen, einen Schluck Wasser zu trinken und ein paar Schritte an der frischen Luft zu gehen.

Wichtig ist es ausserdem, emotional schwierige Situationen im Team zu besprechen. Auch das kann sehr entlastend wirken. Wird der Umgang mit emotional belastenden Situationen im Team geübt, können diese später mitunter einfacher bewältigt werden. Eine gute Vorbereitung schafft Sicherheit. Ausserdem profitieren dabei die jüngeren Mitarbeiter oft vom Wissen erfahrener Pflegefachkräfte.

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