Der Gesunde weiss nicht, wie reich er ist

Mai 2018, Parisa Abdulghani

Nun bin ich im vierten Semester, meiner Ausbildung bei der Spitex, angelangt. Das vierte Semester verläuft etwas anders, denn während dieser Zeit bin ich im TER-Praktikum. Dies bedeutet, dass ich in diesem Semester nur mit diplomierten Fachpersonen unterwegs bin.

Die diplomierten Pflegefachfrauen und -männer haben die höhere Fachschule abgeschlossen und haben deshalb auch einige Kompetenzen mehr als eine FaGe EFZ. Nun bin ich seit einiger Zeit im TER-Praktikum, wo ich viel Neues sehen und lernen durfte. Im TER-Praktikum beschäftige ich mich zum Beispiel viel intensiver mit dem Verbandswechsel. Ich durfte schon verschiedene Wunden sehen, teilweise sind die Wunden klein und harmlos manchmal aber auch grossflächig, übelriechend und nur schon zum Ansehen schmerzhaft.

Besonders fasziniert hat mich eine Klientin, welche Mitte siebzig ist und die Unterstützung der Spitex beim Verbandwechsel ihrer PEJ-Sonde (perkutane enterale Jejunostomie) benötigte. Eine PEJ-Sonde ist eine Ernährungssonde, welche im obersten Teil des Dünndarmes, dem Jejunum, platziert wird. Sie kommt zum Einsatz, wenn ein Patient auf normalem Wege keine Nahrung mehr zu sich nehmen kann oder auch zu wenig Nahrung zu sich nimmt. Diese Klientin bekam die Sonde, da sie an Krebs erkrankt war und während der Chemotherapie viel zu wenig Nahrung zu sich nahm. Da sie ein Magenkarzinom hatte und später Metastasen bei der Pankreas, wurde ihr der Gaster (Magen), sowie auch der Pankreas (Bauchspeicheldrüse) entfernt.

Trotz ihrer Situation war sie die motivierteste Klientin, die ich bisher kennengelernt hatte. Sie war zuversichtlich, dass die Sonde bald entfernt wird und sie im Sommer in die Ferien kann. Dies wurde dann auch zur Realität. Bereits eine Woche später wurde ihr die Sonde entfernt und sie konnte sich mit ihrer Ferienplanung auseinandersetzen.

Ich habe von ihr noch erfahren, dass sie sich immer noch wöchentlich mit Freunden zum Jass spielen verabredet und selber Geburtstagskarten bastelt. Trotz alledem was sie durchmachen musste, hat sie die Freude am Leben nicht verloren und geniest die verbleibenden Tage ihres Lebens in vollen Zügen.

Davon könnten sich einige von uns gesunden und beschwerdefreien Menschen eine Scheibe abschneiden. Denn man weiss ja nie was das Leben noch bringt. Ein kleiner Funken Hoffnung sollte immer bestehen.

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Parisa Abdulghani

Parisa Abdulghani befindet sich im 2. Lehrjahr als Fachfrau Gesundheit bei Spitex Zürich Sihl. Was sie während ihrer spannenden Ausbildung erlebt, welche persönlichen Erfahrungen sie macht und was sie beschäftigt, erzählt sie im PulsBlog.